Gestatten? Ich bin Apollo!

Apollo

(Fortsetzungsgeschichte, ca. jede Woche erscheint ein neues Kapitel)

Gestatten? Ich bin Apollo.

Ich erlebe gerade meinen 12. Sommer und habe eine wundervolle Familie gefunden, deren wichtigstes Mitglied ich jetzt bin.

Gottgleich angebetet vom einzigen weiblichen Wesen in diesem Haus. Auch ich liebe sie abgöttisch.

Ich werde geliebt von ihren beiden inzwischen erwachsenen Welpen, die unregelmäßig nach Hause kommen und immer willkommen sind, obwohl sie immer wieder lange fort sind.

Dann gibt es da natürlich noch den Alpha. Der Bestimmer im Haus – nehme ich jedenfalls an – und der meistens mein Essen aussucht und mir bringt. Nach sechs Jahren darf er mich jetzt auch streicheln und bürsten, weil ich mittlerweile weiß, dass er mir nie etwas antäte. Außer Behandlungen. Und wenn er schläft, lege ich mich heimlich auf sein Bett und schlafe neben ihm. Auch tagsüber schlafe ich gern auf seinem Bett. Sein Geruch gibt mir Sicherheit. Dieser Mann wird mich immer beschützen. Aber halt, das geht zu schnell –

Wie sind wir zusammen gekommen?

Vor dieser lustigen Familie war ich zusammen mit meiner Schwester Artemis in einem anderen Haus bei einer Frau. Wir waren nur in der Wohnung, daher weiß ich auch gar nicht, wie viele Jahreszeiten vergangen und Monde neu gekommen sind. Es war dort ein wenig eng. Wir beiden Katzen wurden gut erzogen. Es gab nichts vom Tisch der Menschen, das Sofa, das Bett, der Sessel waren tabu für uns und wenn wir uns nicht wie gewünscht verhielten, wurden wir mit Händen, Füßen und Zeitungen erzogen.

Eines Tages hatte die Frau genug von uns und gab uns beide im Tierheim ab. Mit der Begründung, ich sei aggressiv und wir beide seien unsauber. Hallo? Erstens bin ich nicht aggressiv und zweitens, wenn wir zu zweit nur ein Klo haben und uns beim Toilettengang dort Hintern an Hintern begegnen, dann kann man doch auch mal fauchen? Oder nicht? Außerdem waren wir sauber. Die Menschen waren es nicht!

Vielleicht war es gut so. Im Tierheim waren wir vier Monate lang mit vielen anderen Tieren zusammen und wir haben nie geschlägert oder Streit gesucht. Aber wer glaubt denn schon der Katze, wenn der Mensch etwas anderes sagt. Außerdem glaube ich, sie haben uns einfach nicht verstanden.

Eines Tages kamen SIE durch die Tür. Ich habe sie sofort erkannt, das waren meine neuen Menschen! Er mit Bart und auf der Suche nach einem Tier, das es nicht mehr gab und sie mit Trauer im Herzen. Von meinem hohen Kratzbaum aus habe ich ihn sofort angequatscht, denn bei den Menschen sind doch die Männer die Bestimmer oder nicht?

Sie wurde sofort auf mich aufmerksam und kam näher. „Schau mal, dieser große schwarze Kater, der hat eben Kontakt zu dir aufgenommen!“ – „Hm, der ist so groß und unsere Wohnung ist so klein…“ – „Er könnte ja auch rausgehen, wir haben doch die Katzenklappe im Keller“.

Katzenklappe? O.O Die meint dieses Loch in der Wand, ja, ja, ich kann das! Aufgeregt sprang ich vom Kratzbaum herunter. Schaut mal her! – Ich sauste raus durch die Katzenklappe, einmal innen um das Gehege herum und wieder herein durch die Katzenklappe. Dann legte ich mich in mein graues Plastikbett, das durch eine rote Decke gepolstert war, damit sie mich in Ruhe und in voller Schönheit betrachten konnten. Außerdem steht mir Grau und Rot. Es wirkt erhaben und königlich zu meinem schwarzen Fell.

„Du, der möchte mit, er hat uns verstanden und gezeigt, dass er Katzenklappe kann und will.“

„Bist du sicher? Ich fand die zwei kleinen Tigerkätzchen im anderen Raum sehr nett.“

„Ich fände besser, wenn unsere neue Katze nicht aussieht, wie unser gerade erst verstorbener Kater, sondern ganz anders, damit sie wirklich eine Chance hat, sie selbst zu sein.“

„Ok, dann fragen wir mal nach ihm an.“

Inzwischen schlich Artemis immer um die Beine meiner neuen Menschenfrau, sie wollte auch gern mit und für mich war es absolut normal, ich wäre gern mit ihr zusammen gegangen.

Aber das Tierheim entschied unfassbarerweise anders. Sie verschwiegen meine Geschwisterbeziehung zu Artemis. Wir sahen zwar gleich aus bis auf die Größe, ich war größer, aber die Menschen konnten anscheinend nicht eins und eins zusammen zählen.

Ich spürte Artemis´ Trauer, die genau wusste, dass ich ein neues Zuhause bekomme und sie musste zurückbleiben, denn das Tierheim sagte: „Der muss alleine bleiben, er verträgt sich mit keinem anderen Tier“. Ich war so traurig und wahnsinnig aufgeregt zugleich.

Ich musste noch zum Tierarzt, der mich durchgecheckt und abgehört hat und mich ein paar Mal gepikst hat.

Ein paar Nächte und Tage später waren die zwei wieder da, mit einem großen Korb. Ich schöpfte erneut Hoffnung, dass wir da doch zu zweit hinein dürften, aber die Tierheimfrau pflückte nur mich vom Kratzbaum und steckte mich, gefangen in einem großen Handtuch, in den Korb. Grrrrr…. Das Handtuch, ich hasse es, warum muss man mich mit einem Handtuch anfassen? Ich machte mich ganz klein….

„Sind Sie sicher, dass in dem Korb Apollo ist und nicht Artemis?“ Fragte meine neue Frau, der Artemis um die Beine schlich und sich ganz groß machte, weil sie mitwollte.

„Ja, ganz sicher, Artemis ist die da, die Sie gerade streicheln“.

Dann verließen sie das Katzenzimmer und wir gingen in einen anderen Raum. Das heißt, ich ging nicht, ich wurde geschaukelt. Da dauerte es noch eine Weile. Die Tierheimmitarbeiterin sagte noch: „Das ist ein Wohnungskater, er war noch nie draußen, er will drinnen bleiben.“ – Meine Leute schauten sich an: „Wenn er das will, dann wird es so sein, aber wir hätten auch andere Möglichkeiten.“ – „Danke, dass Sie Apollo mitnehmen, er ist schon vier Monate da, denn vor so einem großen schweren schwarzen Kater haben viele Menschen Angst.“ – „Wir nicht. Er wird bei uns glücklich werden.“

Es folgte eine endlose Autofahrt, während der ich ständig weinte, um Artemis, um mein verlorenes vertrautes Leben, aus Angst, was da auf mich zu kam…

Mein neuer Alphamann fuhr das Auto und sie saß neben mir und sprach mit mir: „Hab Vertrauen, alles ist gut! Es wird dir bei uns sehr gut gehen. Wir freuen uns, dass du zu uns kommst.“

Jetzt muss ich ein wenig schlafen, ich erzähle dir demnächst mehr!

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